Ganz nah bei Jesus – Werkstatt-Tage:
Kar- und Ostertage gemeinsam erleben

Ganz nah bei Jesus –
Werkstatt-Tage: Kar- und Ostertage gemeinsam erleben

Wie immer empfängt mich das Haus La Verna mit seiner wohltuenden Atmosphäre, als ich am Gründonnerstag dort anreise. Die Kaffeetafel ist festlich gedeckt, und ich finde mich mit fünfzehn weiteren Kursteilnehmern entspannt im Speisesaal ein.

Sr. Stefanie und Pater Pius Kirchgessner, meine Begleiter durch die nächsten Tage, finden freundliche Worte der Begrüßung, ehe ich mit den anderen in die Aula gehe. Dort weist uns die gestaltete Mitte auf die Themen der nächsten Tage ein: Gründonnerstag – annehmen; Karfreitag – loslassen; Karsamstag: Eins-Werden, Auferstehung – Neu werden.

Unsere Gruppe ist bunt gemischt, viele kennen sich schon, andere sind neu hier. Um 19 Uhr beginnt eine Meditation zum Thema Fußwaschung. Der anschließende Abendmahlgottesdienst, bei dem Pater Pius einigen Anwesenden die Füße wäscht berührt mich sehr. Ich fühle mich von dieser Heilige Messe sehr angesprochen, ich bin mitten im damaligen Geschehen. Gegen 21.30 begebe ich mich wie alle anderen vor die Assisi-Kapelle, um nun in der Nacht Jesus auf seinem Weg nach Gethsemane und zum Ölberg zu begleiten. Ich bekomme eine Laterne in die Hand gedrückt und bin einer der drei Jünger, die schlafen statt Beten. Wir gehen einige Stationen und lernen die Bedeutung dieser speziellen Nacht und was sie für Jesus bedeutete, kennen. Selbst das Fesseln der Handgelenke können wir erleben. An der Feuerschale wartet Petrus zuerst, und später kam Pilatus, der versucht, sich für seine Taten zu rechtfertigen. Inzwischen erstrahlt am klaren Sternenhimmel auch der volle Mond, und es ist ein wirklich erhabener Moment dort am Feuer. Hier fällt mir folgendes ein:

Feuermal

An einem Feuer wurdest du verleugnet
von einem deiner Freunde
An einem Feuer verspreche ich Dir:
Wie die Flammen soll meine Liebe zu Dir sein.
Hell auflodernd
Knisternde Funken sprühend
Sich ausbreitend
Du bist mein Feuer
Ich deine Flamme
Feuer und Flamme für alle Zeit

Karfreitag. Für diesen Tag ist Schweigen angesagt. Nach Frühstück und Laudes schließe ich mich unserer Gruppe an, die unter Führung von Sr. Stefanie den Kreuzweg nun geht. Es ist schönes Wetter. Eigentlich sollte doch alles Trauer tragen heut, sinniere ich beim Aufwärtsgehen vor mich hin. Tiefgehende Texte werden von uns Teilnehmenden an den Stationen gesprochen, und abwechselnd tragen wir das Kreuz. Als ich an der Reihe bin, habe ich ein ganz intensives Jesus-Erlebnis, das ich für immer in meinem Herzen bewahren werde. Das Schweigen tut mir gut, es wird sowieso zu viel geredet und ist oft nur Geschwätz. Bevor die Karfreitags-Liturgie in der Assisi-Kapelle beginnt, nehme ich das Angebot an, ein Kreuz zu gestalten. Ich trage die Namen meiner lieben Verstorbenen auf den Querbalken, längs schreibe ich die Namen deren, mit denen ich in Liebe verbunden bin.

Nach der Liturgie bleibt uns allen viel Zeit zur persönlichen Kreuzverehrung, ehe das Kreuz in einer schweigenden Prozession um 21.00 Uhr in die Kreuzkapelle getragen wird. Pater Pius versteht es sehr gut, uns alle in die Mitte des Geschehens mitzunehmen. Ich nehme das Angebot an, in der Aula den Kreuzweg mit Papst Leo noch anzuschauen, aber die Müdigkeit und meine Gedanken zum heutigen Tag überfallen mich, sodass ich alleine sein möchte und mich als bald zurückziehe.

 

Am Karsamstag in der Laudes dürfen wir uns einen Stein aussuchen, auf den wir unsere Lasten und Sorgen projizieren können und den wir auf einen schwarzen Teppich vor den Altar legen. Wir haben somit unsere Sorgen zu Jesus ins Grab gelegt. Nach der Laudes bekommen wir einen Artikel vom damaligen Kardinal Josef Ratzinger ausgehändigt, den wir einzeln oder zu zweit bei einem Spaziergang besprechen können. Ich gehe aber zu einem Beichtgespräch bei Pater Pius, der erstaunlich gut auf meine Gedanken eingeht. Da ich niemanden gefunden habe für einen Spaziergang, laufe ich alleine eine kleine Strecke, bis es Zeit zum Mittagessen ist.

Ab jetzt darf wieder geredet werden, und an diesem Samstagnachmittag herrscht reges Treiben, da es viel vorzubereiten gibt für den Auferstehungsgottesdienst.  Zuvor kann ich noch meine ganz individuelle Osterkerze gestalten, die während der Heiligen Messe am Altar stehen wird. Dort liegt dann auch mein Kreuz von gestern. Der Rest des Nachmittags wird gebraucht für die Einteilung der Lektorinnen und zur Einübung der Lieder. Ich bin sehr heiser und kann leider nicht mitsingen, was mir sehr leid tut.

Endlich dann um 20 Uhr beginnt die für mich schönste Eucharistiefeier des Jahres: die Osternacht! Und welches Wunder: ich kann alle Lieder mitsingen, meine Heiserkeit hat sich aufgelöst! Der Gottesdienst ist sehr lebendig und Pater Pius kann die Freude am Auferstandenen gut vermitteln. Ich bin einfach nur glücklich. Bei Gebäck und einem Glas Wein lassen wir diesen wundervollen Abend miteinander ausklingen.

Ostersonntag. Wir haben nach der Laudes und vor dem Frühstück die von Sr. Stefanie versteckten Ostereier gesucht – und auch gefunden. Die festliche Hl. Messe beginnt um 10 Uhr in der Assisi-Kapelle. Außer unserer Gruppe sind auch noch auswärtige Besucher anwesend. Einem davon schenke ich später meine nun geweihte Osterkerze, weil er mich bei meinen Aufgaben in Uganda unterstützt. Pater Pius lädt uns wiederum zu einem Lied ein, das wir mit Gebärden ausdrücken. Es herrscht eine frohe Stimmung und die Trauer der letzten drei Tage ist verflogen.

Bei einem kurzen Impuls nach dem Mittagessen sagt jeder der Teilnehmenden seine Eindrücke über die vergangenen Tage und wir alle danken von Herzen für diese wahrhaft gute Zeit im Haus La Verna. Sr. Stefanie und Pater Pius waren wertvolle Begleiter auf diesem Weg durch das Leiden und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus. In mir wird die Osterfreude wohl noch lange nachklingen.

©jschwidergall04/26

Wie immer empfängt mich das Haus La Verna mit seiner wohltuenden Atmosphäre, als ich am Gründonnerstag dort anreise. Die Kaffeetafel ist festlich gedeckt, und ich finde mich mit fünfzehn weiteren Kursteilnehmern entspannt im Speisesaal ein.

Sr. Stefanie und Pater Pius Kirchgessner, meine Begleiter durch die nächsten Tage, finden freundliche Worte der Begrüßung, ehe ich mit den anderen in die Aula gehe. Dort weist uns die gestaltete Mitte auf die Themen der nächsten Tage ein: Gründonnerstag – annehmen; Karfreitag – loslassen; Karsamstag: Eins-Werden, Auferstehung – Neu werden.

Unsere Gruppe ist bunt gemischt, viele kennen sich schon, andere sind neu hier. Um 19 Uhr beginnt eine Meditation zum Thema Fußwaschung. Der anschließende Abendmahlgottesdienst, bei dem Pater Pius einigen Anwesenden die Füße wäscht berührt mich sehr. Ich fühle mich von dieser Heilige Messe sehr angesprochen, ich bin mitten im damaligen Geschehen. Gegen 21.30 begebe ich mich wie alle anderen vor die Assisi-Kapelle, um nun in der Nacht Jesus auf seinem Weg nach Gethsemane und zum Ölberg zu begleiten. Ich bekomme eine Laterne in die Hand gedrückt und bin einer der drei Jünger, die schlafen statt Beten. Wir gehen einige Stationen und lernen die Bedeutung dieser speziellen Nacht und was sie für Jesus bedeutete, kennen. Selbst das Fesseln der Handgelenke können wir erleben. An der Feuerschale wartet Petrus zuerst, und später kam Pilatus, der versucht, sich für seine Taten zu rechtfertigen. Inzwischen erstrahlt am klaren Sternenhimmel auch der volle Mond, und es ist ein wirklich erhabener Moment dort am Feuer. Hier fällt mir folgendes ein:

Feuermal

An einem Feuer wurdest du verleugnet
von einem deiner Freunde
An einem Feuer verspreche ich Dir:
Wie die Flammen soll meine Liebe zu Dir sein.
Hell auflodernd
Knisternde Funken sprühend
Sich ausbreitend
Du bist mein Feuer
Ich deine Flamme
Feuer und Flamme für alle Zeit

Karfreitag. Für diesen Tag ist Schweigen angesagt. Nach Frühstück und Laudes schließe ich mich unserer Gruppe an, die unter Führung von Sr. Stefanie den Kreuzweg nun geht. Es ist schönes Wetter. Eigentlich sollte doch alles Trauer tragen heut, sinniere ich beim Aufwärtsgehen vor mich hin. Tiefgehende Texte werden von uns Teilnehmenden an den Stationen gesprochen, und abwechselnd tragen wir das Kreuz. Als ich an der Reihe bin, habe ich ein ganz intensives Jesus-Erlebnis, das ich für immer in meinem Herzen bewahren werde. Das Schweigen tut mir gut, es wird sowieso zu viel geredet und ist oft nur Geschwätz. Bevor die Karfreitags-Liturgie in der Assisi-Kapelle beginnt, nehme ich das Angebot an, ein Kreuz zu gestalten. Ich trage die Namen meiner lieben Verstorbenen auf den Querbalken, längs schreibe ich die Namen deren, mit denen ich in Liebe verbunden bin.

Nach der Liturgie bleibt uns allen viel Zeit zur persönlichen Kreuzverehrung, ehe das Kreuz in einer schweigenden Prozession um 21.00 Uhr in die Kreuzkapelle getragen wird. Pater Pius versteht es sehr gut, uns alle in die Mitte des Geschehens mitzunehmen. Ich nehme das Angebot an, in der Aula den Kreuzweg mit Papst Leo noch anzuschauen, aber die Müdigkeit und meine Gedanken zum heutigen Tag überfallen mich, sodass ich alleine sein möchte und mich als bald zurückziehe.

 

Am Karsamstag in der Laudes dürfen wir uns einen Stein aussuchen, auf den wir unsere Lasten und Sorgen projizieren können und den wir auf einen schwarzen Teppich vor den Altar legen. Wir haben somit unsere Sorgen zu Jesus ins Grab gelegt. Nach der Laudes bekommen wir einen Artikel vom damaligen Kardinal Josef Ratzinger ausgehändigt, den wir einzeln oder zu zweit bei einem Spaziergang besprechen können. Ich gehe aber zu einem Beichtgespräch bei Pater Pius, der erstaunlich gut auf meine Gedanken eingeht. Da ich niemanden gefunden habe für einen Spaziergang, laufe ich alleine eine kleine Strecke, bis es Zeit zum Mittagessen ist.

Ab jetzt darf wieder geredet werden, und an diesem Samstagnachmittag herrscht reges Treiben, da es viel vorzubereiten gibt für den Auferstehungsgottesdienst.  Zuvor kann ich noch meine ganz individuelle Osterkerze gestalten, die während der Heiligen Messe am Altar stehen wird. Dort liegt dann auch mein Kreuz von gestern. Der Rest des Nachmittags wird gebraucht für die Einteilung der Lektorinnen und zur Einübung der Lieder. Ich bin sehr heiser und kann leider nicht mitsingen, was mir sehr leid tut.

Endlich dann um 20 Uhr beginnt die für mich schönste Eucharistiefeier des Jahres: die Osternacht! Und welches Wunder: ich kann alle Lieder mitsingen, meine Heiserkeit hat sich aufgelöst! Der Gottesdienst ist sehr lebendig und Pater Pius kann die Freude am Auferstandenen gut vermitteln. Ich bin einfach nur glücklich. Bei Gebäck und einem Glas Wein lassen wir diesen wundervollen Abend miteinander ausklingen.

Ostersonntag. Wir haben nach der Laudes und vor dem Frühstück die von Sr. Stefanie versteckten Ostereier gesucht – und auch gefunden. Die festliche Hl. Messe beginnt um 10 Uhr in der Assisi-Kapelle. Außer unserer Gruppe sind auch noch auswärtige Besucher anwesend. Einem davon schenke ich später meine nun geweihte Osterkerze, weil er mich bei meinen Aufgaben in Uganda unterstützt. Pater Pius lädt uns wiederum zu einem Lied ein, das wir mit Gebärden ausdrücken. Es herrscht eine frohe Stimmung und die Trauer der letzten drei Tage ist verflogen.

Bei einem kurzen Impuls nach dem Mittagessen sagt jeder der Teilnehmenden seine Eindrücke über die vergangenen Tage und wir alle danken von Herzen für diese wahrhaft gute Zeit im Haus La Verna. Sr. Stefanie und Pater Pius waren wertvolle Begleiter auf diesem Weg durch das Leiden und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus. In mir wird die Osterfreude wohl noch lange nachklingen.

©jschwidergall04/26