Tage der Stille
“Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe“ (Ps 62.1)
Immer wieder gerne komme ich in das Haus La Verna auf den Abtsberg, um mir und meiner Seele etwas Gutes zu tun. Ich nenne es Wellness für die Seele und genau das waren diese Tage der Stille für mich.
Nach dem gemeinsamen Abendessen und dem Kennenlernen der anderen Kursteilnehmer am Donnerstagabend begann der Kurs zunächst mit der Klärung von organisatorischen Fragen und der Einführung in diese Tage. Dann ging es auch schon los mit einem mediativen Abendgebet und der ersten Schweigemeditation.
Da stellten sich mir Fragen wie: Wie geht es mir mit der Stille? Was höre ich in der Stille? Wer spricht zu mir? Gott? Wie spricht Gott zu mir? Was will er mir sagen?
Und wir selbst haben ab diesem Zeitpunkt nicht mehr gesprochen. Am Morgen begannen wir den Tag immer mit Leibübungen, um die Müdigkeit abzustreifen und fit für den Tag zu werden. Anschließend trafen wir uns im Franziskusraum zur ersten Meditation. Dabei spürte ich täglich immer mehr, wie innere Ruhe, Gelassenheit, Trost und Frieden in mir einkehrten.
Erst danach haben wir im Schweigen gefrühstückt und selbstverständlich später auch im Schweigen zu Mittag gegessen.
Erster Höhepunkt war am Vormittag die Eucharistiefeier. Gleich am ersten Tag hat mich dabei tief berührt, dass der Priester uns die Kommunion unter beiderlei Gestalten reichte und wir den Leib und das Blut Christi empfangen durften.
Fest in den Tagesablauf integriert war sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag Zeit für die Naturbetrachtung oder Gesprächsmöglichkeit mit unserer Seminarleiterin Sr. Stefanie.
Die Natur zu betrachten und dabei Achtsamkeit üben, das war unsere Aufgabe. In der Natur sehen, hören, riechen, tasten, spüren, die Dinge wahrnehmen, ohne sie gleich zu bewerten und zu beurteilen. Die Natur beobachten, wahrnehmen – das fiel mir leicht. Da ist zum Beispiel der abgestorbene Baum mit dem Astloch, die ersten Knospen an den Bäumen und Blüten im Gras, das Singen der Vögel, die alten, bemoosten Weinreben, wie kostbare Perlen hängen die Regentropfen an den Sträuchern und Drähten der Zäune, im Wald hämmert ein Specht, der kalte Wind bläst mir ins Gesicht, auf der Talseite gegenüber weiden Hochlandrinder. Ich sehe in der Weite des Tales die Nebel aufsteigen, plötzlich brechen Sonnenstrahlen durch die Wolken und ich spüre die Gegenwart Gottes in all diesen Dingen und so vielem mehr.
Zurück im Haus La Verna freue ich mich über eine Tasse Kaffee und Kuchen, bevor wir dann wieder gemeinsam meditieren.
Nach dem Abendessen, natürlich im Schweigen, konnten wir wählen zwischen einem Abend in der Stille oder dem Rosenkranz Gebet.
Auch ich, wie alle anderen Teilnehmerinnen, habe mich für das Rosenkranzgebet entschieden, obwohl das sonst nicht so meins ist.
Ich habe es nicht bereut. Sr. Stefanie hat uns zu jedem Gesetz des lichtreichen Rosenkranzes hingeführt und die Worte, die wir dort sprechen, erklärt, bevor wir dann in Ruhe und sehr würdevoll im Wechsel gebetet haben.
Selten bin ich wie an diesem Abend so früh schlafen gegangen und habe bis zum Weckerklingeln am nächsten Morgen durchgeschlafen. Der Tagesablauf am zweiten Tag war identisch mit dem des vorherigen. Einzig am Abend haben wir anstatt des Rosenkranzgebetes nochmals meditiert und uns anschließend über unsere Erfahrungen an diesem Tag ausgetauscht. Diese Übungen der Meditation und Naturbetrachtung in Achtsamkeit haben alle Teilnehmer, so berichteten sie, zu einer tiefen Ruhe, innerem Frieden und intensiven Gotteserfahrung geführt. Wir hatten in diesen Tagen eine wunderbare Gemeinschaft, in der jeder wertgeschätzt wurde.
Als wir am Sonntag beim Frühstück wieder reden durften, fiel uns dies sichtlich schwer.
Nach der sonntäglichen Eucharistiefeier, einer weiteren Meditation und Reflexion und dem gemeinsamen Mittagessen mussten wir uns schweren Herzens verabschieden.
Die wichtigsten Erkenntnisse, die ich für mich mitgenommen habe: „Der Wohnort Gottes ist der Augenblick. Die Tür zu dieser Wohnung ist die Achtsamkeit. Achtsam leben meint: Die Wirklichkeit immer so annehmen, wie sie jetzt gerade ist. Das ist nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es, dass ich mir immer mal wieder Zeit für mich nehme, um Gottes Gegenwart wahrzunehmen und meiner Seele etwas Gutes zu tun.“
Magdalena Braun, Teilnehmerin


