Spaziergang unter den Linden der Heiligen Odilia

Schon von Fern grüßte der hohe Berg mit seiner Klosteranlage, gebettet in warmes September-Morgenlicht, die anreisenden Pilger aus der näheren und weiteren Umgebung Gengenbachs. Sie alle freuten sich auf einen schönen, interessanten Tag auf dem Odilienberg im Elsass. Organisiert wurde der Tag von Sr. Stefanie Oehler, durch die Anlage führte kenntnisreich Prof. Dr. Bernd Feininger und als Priester für die Abschlussmesse zeichnete Pater Pius Kirchgessner verantwortlich.

Bei der Begrüßung der Wallfahrer, angekommen in Fahrgemeinschaften, sah man neben vertrauten auch einige neue Gesichter, die erwartungsvoll in den Tag schauten.

Eine imposante Führung durch Prof. Feininger durch die gesamte Außenanlage brachte den Pilgern das Leben der Heiligen Odilia nahe. Sie wurde blind geboren, vom Vater, einem Fürsten, verstoßen, weil sie ein Mädchen war. An ihrer Taufe, die einige Jahre später stattfand, bekam sie ihr Augenlicht zurück. Dieses Wunder beeinflusste den Vater, der sein Unrecht der Tochter gegenüber einsah, den christlichen Glauben annahm und ihr den Odilienberg samt einiger umliegender Ortschaften im Tal vermachte. Odilia gründete eine Ordensgemeinschaft, mit der sie das Plateau des Berges bewohnte.

Auch heute noch ist der Blick von diesem Plateau ins Tal und auf die umliegenden Schwarzwald- bzw. Vogesenberge einfach umwerfend. Prof. Feininger ließ alle an seinem umfassenden Wissen teilhaben, besonders auch, was das Leben der Heiligen im Einzelnen betraf. Leider waren sowohl die Tränen- als auch die Engelskapelle wegen Renovierung geschlossen.

Einen zauberhaften Anblick boten die Linden, nun in herbstlichen Farben im Sonnenlicht leuchtend. Es sind Nachfahren der Bäume, die die Heilige Odilia um das Jahr 730 dort gepflanzt hat.

Nach der äußeren Begehung begaben sich die Wallfahrer ins Innere. Hier ist ein besonderer Blickpunkt die Kapelle, in der der Sarkophag von Odilia steht. Auch die Hauptkirche ist sehr beeindruckend mit ihrem Hochaltar, der die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt. Ebenso ist dort eine Figur der Hl. Odilia zu sehen sowie eine bemerkenswerte Statue des Hl. Joseph, der mit Jesus im Alter von etwa 10 Jahren dargestellt wird.

Anschließend an diese Besichtigung waren im Restaurant die Tische für ein Drei-Gänge-Menü der feinsten Art gedeckt. Hierbei lernten sich die Wallfahrer auch noch etwas näher kennen. Die Zeit bis zur Heiligen Messe mit Pater Pius konnte jeder Pilgernde selbst gestalten: entweder beim Kreuzweg mit Prof. Feininger, einem Besuch bei der Quelle mit dem wundersamen Wasser oder auch für sich auf dem Areal oder der bei der Anbetung. Um 15.30 Uhr begann die Pilgermesse, musikalisch umrahmt von Sr. Stefanie und ihrer Gitarre, feierlich und schön dargebracht von Pater Pius.

Nach einer kurzen Reflektion im Kreuzgang und der Danksagung an die Verantwortlichen dieses Pilgertages wurde die Heimfahrt angetreten. Noch lange blieb das Heiligtum der Odilia im beginnenden Abend sichtbar und erfüllte die Teilnehmenden mit großer Dankbarkeit für diesen schönen Tag.

©johannaschwidergalli