Frühstück für alle:
„Warum bringen mich manche Menschen zu Weißglut …?“

Am Samstag, den 24.1. war Christa Jösel-Schweinfurth, i.R. Diakonin, Supervisorin und Mediatorin, beim Frühstück für alle im Haus Bethanien zu Gast. Nachdem sich alle am köstlichen und reichhaltigen Frühstücksbuffett gestärkt hatten, referierte sie zu dem spannenden Thema „Warum bringen mich manche Menschen zur Weißglut und warum löse ich manchmal auch heftige Reaktionen aus?“

Normalerweise gehen wir davon aus, dass die andere Person, die mich ärgert, an einem Konflikt schuld ist. Würde diese Person sich ändern, wäre alles gut. Doch viele Beziehungen scheitern an diesen Erziehungsversuchen. Die Referentin lud die Anwesenden ein, in einer solchen Konfliktsituation eine andere Sicht einzunehmen und sich zu fragen:

„Was hat mein Ärger mit mir selbst zu tun?“

Frau Jösel-Schweinfurth zeigte auf, dass manche unserer Charaktereigenschaften und Gefühle von uns selbst nicht gemocht werden. Wir wollen nichts mit ihnen zu tun haben, wir verbannen sie sozusagen in unseren Schattenbereich. Dann projizieren wir sie auf andere, um sie dort abzuarbeiten. Das heißt, es wichtig, sich zu hinterfragen, warum ich bei einem bestimmten Menschen oder in einer bestimmten Situation so emotional oder wertend reagiere. Projiziere ich etwa meine eigenen Schattenanteile auf mein Gegenüber?

Da die Referentin viele Jahre eine eigene Beratungspraxis führte, hatte sie verschiedene Beispiele parat, an denen sie Konfliktsituationen und ihre Lösungen aufzeigte. Sie nannte auch Schattengeschichten aus der Literatur und der Bibel. Beispielweise wurde die Geschichte von Maria und Martha aus dieser Sicht neu betrachtet und gefragt, was wir heute davon lernen können.

Wie kann ich mit meinem Schatten umgehen?

Den Schatten und das Unliebsame – vielleicht auch Zähne knirschend – akzeptieren und somit ein Stück weit ins Leben integrieren. Schattenakzeptanz ist innere Arbeit mit dem Ziel der Wandlung, die sich lohnt. Im Schatten gibt es auch noch ungelebtes Leben, Talente, die von unserer Herkunftsfamilie, oder Umgebung nicht gemocht, oder nicht gefördert wurden, sodass sie brach liegen und darauf warten unser Leben zu bereichern z.B. ein schauspielerisches, ein schöpferisches, oder anderes Talent. Die Referentin machte Mut, den nicht geliebten Schatten zu integrieren und den nicht gelebten positiven Schatten zu leben. Beides bringt unsere Entwicklung weiter und gibt unser Leben eine neue Sinnhaftigkeit.

Frau Jösel-Schweinfurth gab den Gästen noch ein Gedicht von Thomas Jenbelten mit auf den Weg:
Mein Schatten macht mir Angst.
Und oft schäme ich mich für ihn.
Mein e dunkle Seite erinnert mich daran,
was ich auch noch bin- und nicht sein will.
Und doch sein darf. Weril ich Mensch bin.
Und wenn ich ihn genau ansehe,
sehe ich den Funken in ihm.
Er macht mich ganz vollständig, wahrhaftig und authentisch.
Und plötzlich kann ich ihn lächelnd
umarmen.

Die Ausführungen zogen die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihren Bann und stimmten so manche(n) von ihnen nachdenklich. Mit einem herzlichen Applaus und einem Blumenstrauß bedankte man sich für diese neue Sichtweiße auf ein altbekanntes Thema.

Das nächste Frühstück findet am 21.03.2026 im Haus Bethanien statt. Beginn ist wie immer um 9.00 Uhr. Referentin Johanna Schwidergall wird bemerkenswerte Frauen vorstellen, die den Mut hatten, ihren eigenen Traum zu leben.