Franziskanischer Besinnungsnachmittag:
Franziskus und der Aussätzige

Am Dienstagnachmittag trafen sich einige Interessierte zu einem Franziskanischen Besinnungsnachmittag zum Thema: Franziskus und die Begegnung mit dem Aussätzigen.

Nach der Begrüßung durch Sr. Stefanie lernten sich die Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen kennen. Danach ging es mit einer Gesprächsrunde im Franziskusraum weiter: Wie kann mich der Heilige Franziskus und sein Leben heute noch berühren?

Pater Pius Kirchgessner berichtete von der Begegnung des Heiligen mit dem Aussätzigen, wie die Dreigefährten Legende diese überliefert:
„Als Franziskus eines Tages innig zum Herrn betete, wurde ihm geantwortet: Franziskus, alles, was du fleischlich geliebt und zu haben gewünscht hast, musst du verachten und hassen, wenn du meinen Willen erkennen willst. Hast du damit begonnen, wird dir das, was dir bisher angenehm und süß erschien, unerträglich und bitter sein.
Durch dieses Wort, zugleich auch in Gott stark geworden, begegnete Franziskus eines Tages, als er nahe bei Assisi einen Ritt unternahm, einem Aussätzigen. Und während er sonst gewohnt war, vor Aussätzigen großen Abscheu zu haben, tat er sich jetzt Gewalt an, stieg vom Pferd, reichte dem Aussätzigen ein Geldstück und küsste ihm die Hand. Dann empfing er von ihm den Friedensgruß, stieg wieder zu Pferd und setzte seinen Ritt fort. Seitdem begann er, immer mehr sich selbst zu verachten (zurückzustehen), bis er durch die Gnade Gottes zu einem vollkommenen Sieg über sich selbst gelangte.“ (3 Gef.11)

Pater Pius legte diese Begegnung sehr anrührend aus: Aussatz bedeutete damals für den Kranken, ein Ausgesetzt-Sein, ein Sich-Verstecken-Müssen, ein Vertrieben-Werden aus der Gemeinschaft, ein Verstoßen-Sein. Die Krankheit wurde darüber hinaus als Strafe Gottes für ein Fehlverhalten gesehen. Die Menschen hielten sich aus Angst vor Ansteckung von Aussätzigen fern und so hatte es auch Franziskus zuvor immer getan. Er war auf Abstand geblieben, hatte den Kranken höchstens – wie die Legende weiter berichtet – durch einen Mittelsmann Almosen zukommen lassen. Denn Mitleid hatte er schon damals mit den Ausgestoßenen empfunden.

Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass er nun diesen Kranken berührt und umarmt. Seine Zuwendung zu diesem Menschen geht nun über die materielle Hilfe hinaus. Er schenkt ihm menschliche Nähe. Im Vertrauen auf Gott kann er sich seiner wirklich annehmen und den Menschen, nicht nur den Kranken in Ihm sehen. Er kann wahrhaft barmherzig an ihm handeln. Nach dieser Begegnung ändert sich Franziskus‘ Leben. Das, was ihm bitter gewesen war, verwandelte sich „in Süßigkeit der Seele und des Leibes“. So erzählt die Legende weiter, dass er „so sehr Vertrauter und Freund der Aussätzigen [wurde], dass er wie er selbst in seinem Testament bezeugt, unter ihnen lebte und ihnen demütig diente.“

Im Anschluss an seine Auslegung gab Pater Pius den Teilnehmenden Besinnungsfragen, um sich im Nachklang der Erzählung auf ihr eigenes Leben, die Barmherzigkeit und das eigene „Ausgesetzt-Sein“ zu besinnen:

Habe ich das auch schon erfahren, dass etwas, was mir bitter (widerlich) schien, sich in Süßigkeit gewandelt hat?

Hat mir etwas ehemals Unangenehmes, Freude gemacht hat? Habe ich es als sinnvoll und erfüllend empfunden?

Habe ich jemanden/etwas schätzen gelernt, den/ das ich zuvor verachtet hatte? Folge ich Franziskus, der sagt: „… und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen“? Wie werde ich ein barmherziger Mensch? Kann ich Barmherzigkeit lernen?

Wo fühle ich mich selbst als Aussätzige(r)? Kann ich mich selbst annehmen?…

Nach dem angeregten Gespräch in den Kleingruppen gab es noch einen Austauschrunde für alle Teilnehmer/innen, in der auch noch so manche Frage geklärt wurde. Die stille Anbetung und die Eucharistiefeier mit einer markanten Ansprache rundeten diesen besinnlichen Nachmittag ab. Es war für alle franziskanisch interessierten Gäste ein bereichernder, aufbauender und lohnender Nachmittag.

Der nächste Nachmittag mit Pater Pius und Sr. Stefanie findet am 03.03.26 zum Thema: „Franziskus und der Traum von Spoleto statt.“ Beginn mit Kaffee und Kuchen um 15.00 Uhr.

Herzliche Einladung:
„Wenn es dir gut tut, dann komm.“
Franz von Assisi